Pavenstädt
Im Nordwesten des heutigen Stadtgebiets liegt Pavenstädt, das als Bauerschaft zur früheren Herrschaft Rheda gehörte. Gemeinsame Grenzen bestehen stadtintern mit Blankenhagen, Kattenstroth und dem Dorf Gütersloh sowie darüber hinaus mit Herzebrock als Teil der Gemeinde Herzebrock-Clarholz.
Um 1088 werden in einem Heberegister des Klosters Herzebrock erstmals Abgabepflichtige aus „Padenstedi‘“ verzeichnet, erwähnt ist unter anderem der Meierhof. Der Ortsname bedeutet Froschlaichplatz bzw. Froschhof. Im Laufe der Jahre wurde die Schreibweise immer wieder geändert, man findet im Jahr 1208 „Podanstedi“, 1387 „Podenstede“ und 1471 „Pavenstido“, bevor sich die heutige Form „Pavenstädt“ durchsetzte. Funde, insbesondere der 1951 in der Nähe der ehemaligen Rieselfelder entdeckte Pavenstädter Becher, rechtfertigen die Annahme, dass dieses Gebiet wahrscheinlich schon deutlich früher besiedelt gewesen war.Einer der ältesten Höfe in Pavenstädt ist der Meierhof Withoff (Pavenstädt Nr. 2), er wurde 1369 erstmals im Herzebrocker Heberegister geführt. Die Hofstelle ist jedoch wesentlich älter, die Funde von Sippengräbern deuten auf eine Stätte hin, die gleichzeitig Verbrennungs- und Bestattungsplatz war.
Wie in den Nachbarbauerschaften bestand auch in Pavenstädt eine direkte Verbindung zum Dorf Gütersloh, der heutige Pavenstädter Weg führt in seiner Verlängerung zum Alten Kirchplatz. Als hier um 1520 die ersten Speicher entstanden, war auch der Meier zu Pavenstädt an der Errichtung beteiligt. Aus einem Verzeichnis von 1660 geht hervor, dass dieser Speicher an der Stelle des heutigen Gebäudes Am Alten Kirchplatz 11 stand.
Die Bauerschaft Pavenstädt verblieb 1565 mit dem Bielefelder Rezeß und dem Vertrag von Wiedenbrück bei der Herrschaft Rheda. Die Grenze zur Bauerschaft Kattenstroth und damit zum osnabrückischen Amt Reckenberg bildete in weiten Teilen die Dalke. Bei der Festlegung der heutigen Stadtteile ist diese Linie bestehen geblieben.
Ab 1808 gehörte Pavenstädt als Teil des Kirchspiels Gütersloh zum Großherzogtum Berg und damit zum französischen Einflussbereich. Mit dem Sieg über Napoleon übernahm Preußen ab 1813 zunächst die kommissarische Verwaltung über dieses Gebiet, bevor mit dem Wiener Kongreß 1815 die endgültige Eingliederung in den preußischen Staat vollzogen wurde. Ein Jahr später ging die Herrschaft Rheda im neu gegründeten Landkreis Wiedenbrück auf und gehörte damit zu der seit dem 1.8.1816 bestehenden Bezirksregierung Minden in der Provinz Westfalen. Ab 1843 war die Bauerschaft Pavenstädt Teil der Landgemeinde Gütersloh unter ihrem ersten Amtmann Hermann Christian Haege. Mit der Auflösung dieser Verwaltungseinheit wurde Pavenstädt am 1.4.1910 in die Stadtgemeinde Gütersloh eingemeindet.
Bereits um 1201 wurde die Bauerschaft Pavenstädt als Teil der Gütersloher Parochie erwähnt. Aus einem Verzeichnis des Jahres 1517 geht hervor, dass die Meyersche zu Pavenstädt zum Unterhalt des Kirchgebäudes (der heutigen Apostelkirche) 1½ Goldgulden spendete, die für den gleichen Zweck durchgeführte Kornsammlung ergab in der Bauerschaft Pavenstädt 6 Müdde Roggen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war zudem die Verheuerung von Kirchenbänken üblich. Im Jahr 1722 entstand an der Herzebrocker Straße auf dem Fichtenbrink, einer Besitzung des Meiers Witthof, der erste jüdische Friedhof. Auf diesem sogenannten „Judenbrink“ wurden bis 1866 Bestattungen durchgeführt.
Pavenstädt ist ein Stadtteil, der seine traditionelle landwirtschaftliche Prägung bis heute zum großen Teil behalten hat. Mit den neuen Siedlungen im Süden gelang der ehemaligen Bauerschaft der Anschluss an die Gütersloher Innenstadt. Heute bietet Pavenstädt seinen Bewohnern und Besuchern weitreichende Freizeit- und Erholungsflächen mit großflächiger urbarer Natur.
Auf Grund der baulichen Entwicklungsmöglichkeiten wurde der Stadtteil Kattenstroth zum Verwaltungszentrum für den Kreis Gütersloh bestimmt - hier die Rotunde, das Konferenzzentrum des Kreishauses.




